Staatsgalerie Stuttgart

In Kooperation mit der Universität Stuttgart entwickelte die Staatsgalerie Stuttgart eine mehrsprachige Audioführung, die Meisterwerke der Sammlung über literarische Bildbeschreibungen für blinde und sehbehinderte Menschen erfahrbar macht.

Darum geht es hier:

„Die Poetik des Sehens“ ist ein inklusives Vermittlungsprojekt, das die Staatsgalerie Stuttgart gemeinsam mit der Universität Stuttgart entwickelt hat. Ausgangspunkt war das Seminar „The Blind Witness: Poetry and Painting“ von Dr. Jessica Bundschuh, Teil des dreijährigen Forschungsprojekts „Sensing Literature“.

Die Studierenden fragten sich, wie blinde und sehbehinderte Menschen einen besseren Zugang zur Kunst finden könnten. Dazu schrieben sie literarische Texte auf Deutsch, Englisch und teils Ukrainisch zu einer Auswahl von Werken der Sammlung. Bewusst wählten sie Kunstwerke, die zum Geschichtenerzählen einladen: Szenen aus der antiken Mythologie, der christlich-jüdischen Überlieferung und der britischen Literatur.

Aus den 22 Audiotexten entstand eine eigene Tour im Mediaguide der Staatsgalerie, die seit März 2026 kostenlos und von überall aus nutzbar ist. Diese Tour spricht mehrere Sinne an und erweitert die Wahrnehmung der bildenden Kunst durch Sprache. An dem Projekt waren auch blinde und sehbehinderte Personen aktiv beteiligt, die in einer Evaluation wertvolle Rückmeldungen gegeben haben.

Mit ihren vielfältigen, mehrsprachigen Stimmen beschrieben die jungen Erwachsenen die Kunstwerke auf sehr persönliche Weise und bereichern die Institutionen Universität und Museum um ihre Perspektiven.

So wird die Sammlung für blinde, sehbehinderte und alle anderen interessierten Menschen über mehrere verbundene Systeme erfahrbar. Ein begleitender Workshop mit einer zwölften Klasse des Dillmann-Gymnasiums öffnete das Format zusätzlich für Schüler*innen.

Das lässt sich aus dem Projekt lernen:

  • Bildende Kunst und Sprache gemeinsam zu erleben, lässt zwei Erzählformen aufeinandertreffen und eröffnet ganz neue Zugänge zu vertrauten Werken.
     
  • Inklusion gelingt inhaltlich besonders dann, wenn Institutionen Deutungshoheit abgeben und vielfältige, mehrsprachige Stimmen aktiv zulassen.
     
  • Die Arbeit an barrierearmen Bildbeschreibungen schärft den Blick für unterschiedliche Wahrnehmungen und wirkt auf die eigene Vermittlungspraxis zurück.

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