Autor: Temidayo Oyeniran
Essen, ehrlicher Dialog und echtes Zuhören: Viele Faktoren können dazu beitragen, dass kulturelle Projekte nachhaltig wirken – warum sind für Malayika Mbassè und Fadwa Al Homsi gerade diese drei so wichtig?
Für die beiden Projektmanagerinnen des Empowerment Netzwerks Baden-Württemberg liegt die Antwort auf der Hand: Weil sie einen möglichst sicheren Raum schaffen, einen Safer Space.
Ein Ort, an dem man sich begegnen, austauschen und gegenseitig stärken kann, ist insbesondere für BIPoC (= Black, Indigenous, People of Color) entscheidend. Beim gemeinsamen Essen, Sprechen und Zuhören entsteht Vertrauen. Ohne Vertrauen kein Austausch. Und ohne Austausch kein Empowerment.
Aus dieser Überzeugung heraus, dass Empowerment nur dort entsteht, wo Vertrauen wachsen kann, wurde die Idee geboren, solche Räume dauerhaft zu schaffen.
Safer Spaces zu schaffen, das ist heute eine der zentralen Aufgaben von Malayika und Fadwa in ihrer Arbeit für das Empowerment Netzwerk. Das Netzwerk entstand 2019 in Zusammenarbeit mit dem Forum der Kulturen Stuttgart e. V. Eine Gruppe von BIPoC aus dem Kulturbereich kam damals zusammen, um Erfahrungen zu teilen, sich gegenseitig zu stärken und Strukturen zu schaffen, die es so in Stuttgart noch nicht gab.
Anfangs bestand der Auftrag darin, Kultureinrichtungen für die Themen Rassismus und Diversität zu sensibilisieren. Dabei zeigte sich jedoch: BIPoC innerhalb dieser Institutionen blieben häufig vereinzelt – ein Ort zum Austausch und Auftanken fehlte. Aus ersten selbstorganisierten Treffen wuchs ein Netzwerk. Viele der Gründungsmitglieder sind bis heute aktiv.
Aus dem selbstgetragenen Projekt wurde Schritt für Schritt eine verlässliche Struktur – personell, finanziell und organisatorisch. Heute teilen sich Malayika und Fadwa die Koordination, ihre Stellen werden durch verschiedene Förderungen ermöglicht. Besonders wichtig ist dabei die Förderung durch das ZfKT, zunächst inhaltlich über „Weiterkommen!“, inzwischen als zweijährige Sonderförderung.
„Vorher waren wir ständig unter Druck, immer in Sorge wegen der Ressourcen. Jetzt haben wir endlich etwas Luft, um zu planen, aufzubauen, weiterzudenken“, sagt Malayika.
Neben dem Strukturaufbau gibt es viele weitere Aufgaben: regelmäßige Veranstaltungen, Retreats und Austauschformate, die das Netzwerk lebendig halten.
„Empowerment“ ist ein Schlagwort, das im Kulturbereich immer mehr Bedeutung gewinnt (lesen Sie mehr darüber, was Empowerment bedeutet, in unserem Dossier zum Thema – das übrigens aus Malayikas Feder stammt).
Für das Empowerment-Netzwerk beginnt Empowerment dort, wo man ganz man selbst sein darf, ohne sich rechtfertigen zu müssen. „Empowerment heißt für mich, in einem Raum zu sein, in dem ich mich nicht ständig erklären muss. Wo ich nicht beurteilt oder in eine Schublade gesteckt werde. In der Gesellschaft müssen wir uns als People of Color immer wieder beweisen – in diesen Räumen muss ich das nicht“, sagt Fadwa.
Manchmal beginnt Empowerment leise, zum Beispiel mit einem Gespräch, einem Gedanken, einem Lied. Eine Teilnehmerin sang, als sie zum ersten Mal an einem der Treffen teilnahm, einen Song mit YouTube-Musik im Hintergrund – später performte sie beim African Open Mic Stuttgart eigene Texte und Gedichte. „Etwas ist da aufgegangen in ihr. Sie hat sich selbst als Künstlerin gesehen – und gezeigt“, erzählt Malayika.
Empowerment bedeutet in diesem Zusammenhang auch, gemeinsam zu wachsen und voneinander zu lernen: Perspektivwechsel, Offenheit, Zuhören. Die Begegnungen sind sensibel und respektvoll, und jede Person lässt den anderen Raum.
Safer Spaces stellt das Netzwerk auf drei Ebenen her:
Das Netzwerk lebt von den Menschen, die es tragen: Organisator*innen, Künstler*innen, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Kulturschaffende – und von den Teilnehmenden, deren Zahl stetig wächst. Auch, wenn es manchmal nicht einfach ist, die Menschen ins Boot zu holen: Zu viele Events, zu volle Terminkalender.
Aber immer wieder hören Malayika und Fadwa nach Veranstaltungen: „Warum war ich nicht schon früher da?“ Viele gehen ruhiger, gestärkter, zufriedener. Es ist dieses Feedback, das ihnen Kraft gibt und sie für die Arbeit im Netzwerk stärkt.
„Warum war ich nicht schon früher da?!“
Empowerment lässt sich nicht „abschließen“. Es braucht Aufmerksamkeit, Austausch und offene Räume. Heilung von Alltagsrassismus, Selbstermächtigung und künstlerisches Schaffen entstehen nicht nebenbei.
Das Empowerment Netzwerk schafft Räume dafür.
Manchmal beginnend mit einem gemeinsamen Essen.
Und manchmal mit einer einfachen Frage:
„Wie geht es dir?“
Das ZfKT unterstützt das Empowerment Netzwerk BW in Form einer Sonderförderung.
Hier finden Sie ein ausführliches Dossier zum Thema Empowerment, verfasst von Malayika A. Mbassè: