Ein Erfahrungsbericht von Zahra Albadri
„Wir schreiben aus Erlebnissen Geschichte.“
Ein Zitat aus dem Workshop Migratöchter – Vielfalt und Empowerment auf Instagram, das mir besonders hängen geblieben ist.
Ich finde, dieses Zitat fasst das Konzept des Instagram-Kanals Migratöchter sehr gut zusammen.
Dilara und Djey, zwei engagierte Frauen, haben uns den Kanal (Instagram: @migra_toechter) vorgestellt und dabei wichtige Impulse zu den Themen Kultur, Identität, Gefühle, Sichtbarkeit und journalistische Verantwortung mitgegeben.
Auch wenn Migratöchter ursprünglich für Frauen mit Migrationsgeschichte konzipiert wurde, kann sich eigentlich jede*r dort wiederfinden, die*der sich für verschiedene Perspektiven interessiert oder verstehen will, wie sich gesellschaftliche Strukturen auf Menschen auswirken.
Der Austausch mit der Community spielt dabei eine zentrale Rolle: Über Moodboards, persönliche Erfahrungsberichte, direkte Nachrichten oder die Kommentarspalte entsteht ein Raum, in dem Menschen ihre Geschichten teilen können – oft Dinge, die sonst unsichtbar bleiben würden.
Für sie ist es wichtig, dass Menschen auch „Migra-Vorbilder“ haben.
Dilara selbst sagt: „Ich mache es, weil es sonst keiner für mich gemacht hat.“
Im Workshop wurde deutlich, wie viel Arbeit hinter diesem Projekt steckt. Die Redaktion besteht aus rund vierzehn Personen, die kontinuierlich Themen sammeln, diskutieren und sorgfältig aufbereiten. Trotzdem müssen alle Beiträge vom SWR geprüft und freigegeben werden. Dadurch entsteht eine besondere Spannung: zwischen den Erwartungen der Community, die ehrliche und deutliche Worte fordert, und dem öffentlichen Rundfunk, der auf Neutralität und Vorsicht achten muss.
Dieses Spannungsfeld zeigte sich besonders bei sensiblen Themen wie dem Nahostkonflikt, Re-Migration oder der politischen Stimmung rund um die AfD. Viele Menschen trauen sich nicht, öffentlich darüber zu sprechen – und genau da versucht Migratöchter, eine Brücke zu bauen.
Beeindruckt hat mich auch, wie viele verschiedene Themen sie abdecken: persönliche Diskriminierungserfahrungen, Feiertage aus unterschiedlichen Kulturen, Mutter-Tochter-Beziehungen, queere Perspektiven oder auch Alltagsrassismus, der sich in scheinbar kleinen Dingen zeigt – zum Beispiel in der Frage, wie unsere Namen ausgesprochen werden.
Gerade dieser Punkt hat mich persönlich getroffen: Mir ist erst in diesem Workshop wirklich bewusst geworden, wie oft Menschen meinen Namen einfach verändern, verkürzen oder deutsch aussprechen, weil ihnen die richtige Aussprache zu „anstrengend“ ist. Dass viele von uns ihre Namen für Andere anpassen, damit sie akzeptiert werden, war für mich einer der stärksten Momente des Workshops.
Das zeigt mir umso mehr, wie wichtig es ist, dass solche Kanäle an Reichweite gewinnen. Denn gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund fühlen sich häufig nicht repräsentiert. Und ein Kanal wie dieser bietet Sichtbarkeit, Empowerment und Identifikationsfiguren.
Im Workshop selbst ist mir aufgefallen, dass es weniger eine Diskussion im klassischen Sinne war, sondern eher ein Austausch in Impulsen. Fragen nach Grenzen, das Thema konstruktive Headlines, der Umgang mit Hate-Nachrichten oder wie sie mit Identität und Migration umgehen, wurden immer wieder aufgeworfen.
Diese kleinen Einwürfe haben mir gezeigt, wie viel Verantwortung in so einem Kanal steckt und wie bewusst das Team mit seiner Community umgeht.
Am Ende blieb bei mir vor allem ein Gedanke hängen:
Aus Schlagzeilen werden Geschichten – und aus Geschichten werden Stimmen, die sonst niemand hören würde.
Der Workshop hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, dass Medien Räume schaffen, in denen Menschen mit Migrationsgeschichte ihre Wirklichkeit selbst erzählen können. Nicht als Randnotiz, sondern als Teil unserer gesellschaftlichen Realität.
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