Jugend bewegt Film

In allen Workshops und in den Lightning-Talks-Sessions waren junge Menschen dabei, haben zugehört, mitdiskutiert und gemeinsam gearbeitet. Anschließend haben sie ihre Erfahrungen aufgeschrieben. In diesen Berichten können Sie nun nachlesen, wie die Jugendlichen die Landesfachtage erlebt haben – und was sie mitnehmen.

Ein Erfahrungsbericht von Amelina Schneck

„Welches Gefühl kommt in dir auf, wenn du an deinen Lieblingsfilm aus deiner Kindheit denkst?“
 

Eine Frage zum Einstieg

Mit dieser Frage starteten wir in den zweistündigen Workshop über das Thema: Warum Filme so essenziell für uns sind und wie wir neue Wege finden können, um junge Menschen eine Partizipation im Bereich Film zu ermöglichen. 

Von den Workshop-Leitenden bekamen wir einen Einblick in die Institutionen des Bundesverbandes Jugend und Film (BJF) und der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) sowie in deren Aufgaben. Der BJF setzt sich für die Filmbildung junger Menschen ein. Sie wollen zeigen, dass Filme verbinden können, und legen dafür großen Wert auf Filmgespräche nach dem gemeinsamen Schauen.

Um die Filme zugänglich für Mitglieder und externe Personen zu machen, gibt es die BJF-Clubfilmothek: Hier kann man sich Filme gegen eine faire Gebühr für unterschiedlich lange Zeiträume ausleihen und downloaden. Zudem gibt es zu jedem Film Arbeitsmaterialien, was dieses Angebot perfekt für das Arbeiten in Schulen macht. 

 

Junge Menschen einbeziehen

Doch wie schafft es der BJF, junge Menschen in ihr Wirken einzubeziehen?

Die BJF wird durch die FBW Jugend Filmjury unterstützt. In der FBW können sich junge Menschen anmelden und ein Teil der Jury werden. Die Aufgabe für diese jungen Menschen ist es, Filme schon vor der Veröffentlichung anzuschauen, sie gegebenenfalls vom Alter her anzupassen und sie dann mit einem Sternesystem zu bewerten. Außerdem werden der FBW auch Filme von Regisseur*innen zugeschickt, welche dann geschaut, bewertet und im besten Fall mit einem „Daumen hoch“ ausgezeichnet werden.

Wenn du also bei einem Film dieses Zeichen siehst, weißt du: Dieser Film ist pädagogisch wertvoll.

Vor den Jahrestagungen des BJF werden die Jugendlichen gefragt, welche Filme ihnen gefallen und welche Themen sie interessieren. Anschließend wird diese Filmauswahl besprochen und von der FBW angesehen. 

Für BJF und FBW ist es ein großes Anliegen, dass Filme nicht nur geschaut, sondern auch besprochen werden. Sie ermutigen daher auf Veranstaltungen ihre Mitglieder, Filmgespräche mit den Anwesenden zu führen. 

Herausforderungen

Im weiteren Verlauf der Workshops besprachen wir die Herausforderungen, junge Menschen auf solche Angebote aufmerksam zu machen. Zu den meistgenannten Herausforderungen zählte die fehlende Zeit von Kindern und Jugendlichen.

Dieser Punkt ist mit einem weiteren verbunden: dem Schulsystem. Früher hat man sich nachmittags beispielsweise in Jugendhäusern getroffen. Heute ist der Schultag so lang, dass es kaum Zeit gibt, Projekte außerhalb wahrzunehmen.

Als mögliche Lösung überlegten wir uns in der Workshopgruppe, dass Projekte für Kinder nicht außerhalb des Schullebens stattfinden sollten, sondern eben aktiv in das Schulleben eingebunden werden könnten. 

Wie Kinder und Jugendliche erreichen?

Das bringt uns zu einer weiteren Herausforderung, nämlich dass die Kommunikation mit oder mittels Schulen, zum Beispiel das Verteilen von Flyern, nicht erlaubt ist. So wird verhindert, dass junge Menschen von Angeboten wie der FBW Jugend Filmjury erfahren können. Wichtig wäre außerdem, dass mehr Lehrkräfte von Projekten dieser Art erfahren und Initiative ergreifen, sie den Schüler*innen nahezubringen.

Auch beschäftigte uns die Frage, wie attraktive Werbung für Kinder und Jugendliche heute aussieht und wo sie am besten die Menschen erreicht.

Ein Allheilmittel haben wir im Workshop zwar nicht gefunden, aber ein paar gute Ideen entwickelt: Druckt Sticker! Sticker mit süßen Dingen darauf und eurem Logo. Diese können kostenlos mitgenommen werden und bleiben.

Eine weitere Idee ist: „Was nicht auf TikTok ist, existiert nicht“. Egal wie man zu dem Konsum von sozialen Medien bei Kindern und Jugendlichen steht, sie werden nun einmal von ihnen genutzt. Vielleicht ist es möglich, sie damit für neue tolle, kreative und kommunikative Projekte zu gewinnen.  

Sensible Themen

Im letzten Block des Workshops teilten wir uns in kleine Gruppen zu unterschiedlichen Themen auf. Ich besuchte die Gruppe zu „sensiblen Themen“. Hier machten wir uns Gedanken darüber, wie eine Filmvorstellung allgemein so gut begleitet werden kann, dass sich alle beteiligten Menschen wohlfühlen.

Wir kamen zu dem Schluss, dass man Möglichkeiten finden muss, Menschen zu fragen, was sie bräuchten, um Ihnen nicht von außen vorzudenken, dass dies oder das gebraucht wird. Jedoch hatten wir ein Paar direkt umsetzbare Ideen, zum Beispiel Stressbälle und Kopfhörer für den Fall, dass etwas Materielles zum Beruhigen gebraucht wird. Auf den Homepages von Filmveranstaltungen eignet sich ein Storyboard besonders gut für wiederkehrende Veranstaltungen. Das kann man sich dann schon zuhause durchlesen und weiß schon, was im Film passieren wird. Wir dachten auch an Awarenessteams und Ruheräume. Ein weiterer Punkt ist das Ankündigen vor der Veranstaltung, dass es total in Ordnung ist, aus dem Raum zu gehen.

Fazit

Zusammengefasst kann man also sagen, dass wir junge Menschen gut über soziale Medien und kreative Werbung wie Sticker erreichen können. Dass es wichtig ist, die Art unserer Veranstaltungen anzupassen und nach Wegen zu suchen, wie Kultur mehr in Schulen gebraucht werden kann.

Ich bedanke mich herzlich bei Emily Winkelsträter und Leonie Rieth vom BJF und Arianna Frischmann mit Charlotte Schmidt von der Jugendjury des FBW für diesen interessanten Workshop!

Mehr Rückblicke

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