Lightning Talks II: Engagement und Ehrenamt

In allen Workshops und in den Lightning-Talks-Sessions waren junge Menschen dabei, haben zugehört, mitdiskutiert und gemeinsam gearbeitet. Anschließend haben sie ihre Erfahrungen aufgeschrieben. In diesen Berichten können Sie nun nachlesen, wie die Jugendlichen die Landesfachtage erlebt haben – und was sie mitnehmen.

Ein Erfahrungsbericht von Zahra Albadri

Die Lightning Talks der Landesfachtage für kulturelle Teilhabe zeigten innerhalb kurzer Zeit, wie breit das Feld „junges Engagement“ geworden ist – und wie viele Hürden es trotzdem noch gibt. Vier Initiativen stellten ihre Arbeit vor, jede mit einem eigenen Zugang, doch alle mit denselben grundsätzlichen Fragen:

Wie erreicht man Jugendliche wirklich? Und was brauchen sie, um nicht nur eingeladen, sondern tatsächlich beteiligt zu sein?

Superplaces: Stadt als Raum für junge Stimmen

Den Auftakt machte „Superplaces“, ein digitales Tool zur Stadtplanung. Entwickelt vom Studio Malta, erklärt es Jugendlichen auf verständliche Weise, wie Städte gebaut werden, wo Mitsprache möglich ist und wie aus einfachen Ideen konkrete Projekte entstehen können. Besonders hängen blieb der Satz:

„Alle Stimmen zählen – nicht nur laute.“

Der Talk machte deutlich, dass viele junge Menschen sich in kommunalen Prozessen kaum gesehen fühlen, obwohl genau dort Beteiligung am stärksten wirken kann.

Bläserjugend: Engagement durch Musik

Der zweite Beitrag stellte die Bläserjugend im Bund Deutscher Blasmusikverbände vor. Mit Ausbildungen, Leistungsabzeichen und Projekten wie dem Landesjugendorchester zeigt die Bläserjugend, wie stark Engagement und Musik miteinander verbunden sind.

Musikvereine wurden hier als Orte sichtbar, an denen Jugendliche Verantwortung übernehmen können.

„The Länd of Young Ehrenamt“: Strukturen stärken

Auch das Projekt „The Länd of Young Ehrenamt“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Engagement für junge Menschen möglich wird. In mehreren Regionalstellen bietet es Beratung, Begleitung und Unterstützung, damit Beteiligung nicht an komplizierten Strukturen scheitert.

Immer wieder wurde betont, dass es oft nicht am Willen der Jugendlichen mangelt, sondern an Rahmenbedingungen, die ihnen wenig zutrauen oder zu wenig Flexibilität bieten.

Freiwilligenagentur Stuttgart: Anerkennung als Motivation

Die „Freiwilligenagentur“ der Landeshauptstadt Stuttgart legte ihren Schwerpunkt auf flexible Beteiligungsformen und die Ehrenamtskarte Baden-Württemberg (https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/soziales/buergerengagement/ehrenamtskarte). Sie gilt als sichtbare Anerkennung für Menschen, die sich über längere Zeit freiwillig engagieren.

Viele Jugendliche wünschen sich Wertschätzung – und kleine Formen der Anerkennung können darüber entscheiden, ob Engagement überhaupt entsteht oder bestehen bleibt.

Bei den Lightning Talks wird streng auf die Zeit geachtet...

Diskussion

In der gemeinsamen Diskussion nach den Vorträgen stand vor allem ein Thema im Mittelpunkt: die Frage nach der Grenze zwischen Ehrenamt und Vergütung. Einige der Anwesenden berichteten, dass ihr Engagement kaum Anerkennung erhält, obwohl sie sehr lange im Ehrenamt tätig sind.

Für einige ist eine finanzielle Anerkennung ein notwendiger Schritt, um Jugendliche zu motivieren und Chancengleichheit zu schaffen – schließlich können sich nicht alle leisten, unbezahlt Zeit zu investieren. Andere betonten, dass es für viele Einrichtungen schlicht nicht genug Ressourcen gibt und dass bei Vergütung die Gefahr besteht, dass das Ehrenamt „vermarktet“ wird.

Genauso präsent war die Frage nach dem Zugang: Schule kann ein wichtiger Ort sein, um junge Menschen zu erreichen, doch Lehrkräfte sind bereits stark belastet. Alternativ wurden Vereine, Jugendhäuser, Jugendräte und die offene Jugendarbeit als Räume genannt, die Jugendlichen eher ermöglichen, ihre Stimme einzubringen.

Was bleibt

Ein Zitat, das bei mir letztlich hängen blieb:

„Ehrenamt ist – und lebt von – Jugendbeteiligung.“

Die Lightning Talks haben sichtbar gemacht, dass es immer Möglichkeiten gibt, junges Engagement zu stärken. Und dass es weniger an Motivation, sondern mehr an Strukturen mangelt, die das Thema junge Beteiligung ernst nehmen. Genau an dieser Stelle sollte man ansetzen und es fördern. Damit Jugendliche konsequent miteinbezogen werden.

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