Lightning Talks I: Beiratsarbeit

In allen Workshops und in den Lightning-Talks-Sessions waren junge Menschen dabei, haben zugehört, mitdiskutiert und gemeinsam gearbeitet. Anschließend haben sie ihre Erfahrungen aufgeschrieben. In diesen Berichten können Sie nun nachlesen, wie die Jugendlichen die Landesfachtage erlebt haben – und was sie mitnehmen.

Ein Erfahrungsbericht von Yasmin Wassner

Los geht‘s

Um 10:40 Uhr füllt sich der Raum. Nun geht es um praktische Beispiele der Jugendbeteiligung an verschiedenen Häusern, wie sie schon existieren. Jede Referent*innen-Gruppe hat 7 Minuten Zeit, das eigene Projekt vorzustellen.

Pünktlich um 10:45 Uhr beginnt der erste Talk von insgesamt vier Institutionen. 

Vom Sturm auf die Bastille zur Arabellion

(Referentin: Doris Moyrer)

Das Badische Landesmuseum Karlsruhe stellt sich und eine ganz spezifische Ausstellung vor: „Vom Sturm auf die Bastille zur Arabellion“ fand 2018 in Karlsruhe im Rahmen einer Sonderausstellung statt. Seit 2015 wurde das partizipative Format einer Ausstellung geplant – das Besondere: Jugendliche sind die gesamte Zeit miteinbezogen, in der Planung sowie in der Umsetzung. Da die Planung oftmals vormittags stattfand, wurden regelmäßig Schulbefreiungen geschrieben, damit die Sicht der Jugendlichen auch aktiv Einfluss auf das Projekt bekommt. In jeder Besprechung waren Jugendliche dabei.

Jugendliche Sichtweisen verstehen

Um die Sicht der Jugendlichen miteinzubringen, wurden bereits 2017 in einer Jugendkonferenz Jugendliche aktiv befragt, was ihnen wichtig ist. Ausschlaggebend für die Ausstellung war es, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, um ihre Sichtweisen zu verstehen. Hinzu kam der Arbeitskreis Karlsruher Schulen, durch welchen das Landesmuseum 10 Jugendliche kennenlernte, mit denen das Museum dann zusammenarbeitete.

Ziel der gesamten Ausstellung war es, das Interesse der Jugendlichen an Kultur und spezifisch an Museen zu steigern.

Der Museumsleitung war hierbei durchaus auch bewusst, dass man auch etwas bieten muss, wenn man will, dass Jugendliche im Interesse der Erwachsenen arbeiten. Den teilnehmenden Jugendlichen wurde eine Fahrt nach Mannheim samt Besuch in der Ausstellung „Entscheide dich“ ermöglicht, außerdem Workshops und partizipative Möglichkeiten, ein Social-Media-Account und ein öffentlich gefilmter Werbespot.

Die Ausstellung war von der Jugend geführt und sollte Themen vermitteln, die der Jugend wichtig sind. Daraus gelernt wurde viel: zum Beispiel das Arbeiten auf Augenhöhe, mehr und andere Motivation, Inspiration und Kreativität, sowie ein Perspektivwechsel – einfach schon dadurch, dass die Ausstellung durch junge Menschen geleitet und geplant wurde.

Come-Together Campus

(Referent*innen: Diana Etzel, Christopher Gerhard Wittkopp)

Den zweiten Lightning Talk hielten die Referent*innen von den Staufer Festspielen in Göppingen. Es ging um den Come-Together Campus. Im Come-Together Campus sind etwa Workshops – unter anderem zu Graffiti oder zu Social Media – entstanden, die unterschiedliche Interessen ansprechen. Außerdem gibt es hier den Theater Campus, der seit fünf Jahren jeden Sommer allen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen aktivierende Kulturangebote bietet. Dabei können sich Jugendliche 1-2 Wochen lang in den Sommerferien mit einer Arbeitsrichtung im Theater beschäftigen – Musik, Schauspiel, Bühnenbild – und am Ende eine Stückentwicklung zur Schau stellen.

Das Theater Campus ist eine Gemeinschaft, egal welchen sozialen Hintergrund die Teilnehmenden haben. Alle können so, wie sie sind, mitmachen, weshalb dieses Jahr auch noch mehr Fokus auf Inklusion gesetzt wird.

Das gesamte Projekt ist von Jugendlichen (mit)organisiert für Jugendliche. Die Wünsche der Jugendlichen werden gesehen und umgesetzt. Ein Beispiel hierfür ist die Verlängerung des Camps von ursprünglich einer auf jetzt zwei Wochen.

„Für mich war es der Einstieg ins Theater und eine Art Zuhause.“
– Teilnehmerin und Referentin zum Thema Beteiligung

Jugendbeirat am JOiN

(Irini Dauber, Anna Amelia Bartmann und Christoph Sökler)

Der dritte Lightning Talk führte uns an die Stuttgarter Staatsoper in den Jugendbeirat der Jungen Oper im Nord (JOiN). Dieser wurde 2023 gegründet und umfasst aktuell etwa 20 Mitglieder zwischen 15 und 20 Jahren von überall aus Stuttgart. Alle Mitglieder sind vereint durch die Liebe zu Kultur. Die Grundfrage des Jugendbeirats hier war und ist immer noch: „Wie kann man Jugendliche mehr einbeziehen und mehr einbringen – in einem so großen Haus wie der Staatsoper?“

Der JOiN-Beirat ist kein Projekt, um junge Menschen zu animieren, in die Oper zu gehen. Sondern eher für Menschen, die schon da sind. Es ist zwar immer eine erwachsene Betreu-Person da, aber nur, um Anliegen ins Haus zu tragen und zu vermitteln.

„Ich mache mit, weil ich mich für die Oper begeistere“, und „Ich mache mit, um die Oper für junge Menschen attraktiver zu machen“, so die zwei Referentinnen. Der JOiN-Beirat trifft sich alle zwei Monate, ab und zu auch mit der Intendanz, um Feedback zu gesehenen Stücken zu geben.

Eines der Projekte, welches der JOiN-Beirat schon ins Leben gerufen hat, ist der „Raum für Jugendliche“, in welchem sich Jugendliche nach Opernvorstellungen oder in den Pausen gemeinsam austauschen können. Der Raum ist ein geschützter Rahmen für junge Menschen mit kostenlosen Getränken und ohne Eltern und andere Erwachsene.

Die JES-Philosoph*innen

(Madita Kirschbaum, Larissa Probst, Yasmin Wassner)

Zu guter Letzt stellt sich der Jugendbeirat des JES Stuttgart vor: die JES-Philosoph*innen. Die Gruppe aus derzeit acht jungen Menschen, welche die Begeisterung fürs Theater verbindet, ist am Theater die Stimme der Jugendlichen und besteht seit 2022. Sie diskutieren, schauen Theater, organisieren, begleiten Stückentwicklungsprozesse, tauschen sich aus, fahren auf Festivals und planen Projekte – wie die lange Tafel der Landesfachtage. Dabei ist ganz viel Spaß wichtig! Mit guten Snacks ist ebenfalls für gute Nervennahrung gesorgt, denn die ganze Organisation kann ganz schön anstrengend sein.

Zwei der Philosoph*innen stellten den Beirat sehr interaktiv im Interviewformat mit dem Publikum vor. Das Publikum durfte die Stimmen und Antworten der JES-Philos auf die Fragen vorlesen und so Teil des Lightning-Talks werden.

Eine Stimme für andere Jugendliche sein

Die Philos organisieren sehr viel, wünschen sich aber aktuell noch mehr Organisieren auf Eigeninitiative hin. Sie würden sich trotzdem so beschreiben, dass sie sehr viel aus eigener Hand erfinden – auf einer Skala von 0 bis 10 eine solide 8,95. Da fast alle JES-Philos noch zur Schule gehen, ist aktuell eines der größten Probleme, die Jugendbeiratsarbeit mit der Schule und Klassenarbeiten unter einen Hut zu bekommen.

Der größte Wunsch der JES-Philos ist es, eine junge Stimme für andere Jugendliche zu sein und mehr Jugendlichen das Theater als Ort zu öffnen und erlebbar zu machen. Ein Projekt, durch welches die Philos am JES eine noch hörbarere Stimme bekommen, wird in den Faschingsferien 2026 unter dem Namen „Freiraum“ stattfinden. Dabei geht es um die Spielplangestaltung für die kommende Spielzeit `26/`27 und konkret, was junge Menschen sehen wollen würden.

Die JES-Philos haben für die Landesfachtage Kulturelle Teilhabe auch die Abendveranstaltung „Die Lange Tafel“ am 17.11. geplant und organisiert!

Austausch

Im Anschluss an die Lightning-Talks wurde sich in Gruppen zusammengesetzt und sich nochmal tiefer ausgetauscht über die einzelnen Projekte, aber auch über Partizipation allgemein.

Dabei wurde nochmal deutlich, dass die Außendarstellung und PR-Arbeit extrem wichtig ist für die Jugendbeiratsarbeit. Ein Bedenken, das hierbei geäußert wurde, bezieht sich darauf, dass sich das Theater nicht nur mit den Worten: „Wir haben einen Jugendbeirat“ schmücken darf. Sondern die Ideen der jungen Menschen müssen dann auch aktiv mit einbezogen und umgesetzt werden, damit die Jugendlichen nicht instrumentalisiert werden.

Eine Person äußerte Kritik an dem Begriff „Beirat“, da sie das Wort mit einer Wahl konnotiert, die in der Regel aber nicht stattfindet. Die Frage war nun: „Was ist denn der richtige Name für das, was wir tun?“ – ohne bisherige Antwort.

Auch über die Frage der Bezahlung der Jugendlichen wurde länger gesprochen, und ob diese nötig sei. Ganz viele junge Menschen wollen genau das nämlich nicht, da sie selbst die „Beiratsarbeit“ als Hobby sehen und nicht als bezahlte Arbeit. Die Frage der Beiratsarbeit sollte ganz oben anfangen. Also bei Kapazitäten, Ressourcen und finanziellen Mittel des Hauses. Außerdem ist Kommunikation enorm wichtig. Es müsse von Beginn an und so früh wie möglich mit den Jugendlichen kommuniziert werden, was möglich ist, und was nicht.

Fazit

Insgesamt war der Vormittag mit den Lightning-Talks gut gefüllt und es wurde sich sehr ausführlich ausgetauscht.

„Theater ist für mich ein Ort, an dem ich mich wohlfühle – und der Jugendbeirat eine Art Zuhause!“ – Aussagen wie diese zeigen, dass schon so viel richtig läuft in der Jugendbeteiligung.

Vielen Dank allen Referenten*innen und Zuhörer*innen der Lightning-Talks!

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